| 28. Oktober 2011
Posted in
Erlebnisse
Geschenke des Augenblicks – Was Pferde uns geben, wenn wir aufhören „einen Plan“ zu haben
Vor einigen Wochen war ich auf einem wunderschönen Hof in Frankreich und habe an einer Fortbildung im pferdegestützen Erfahrungslernen teilgenommen. Fünf Tage lang haben wir uns intensiv mit der Verbindung von Pferd und Mensch beschäftigt. Es gab viele berührende Begegnungen mit den Pferden im Round Pen und auf der Weide, aktive und auch ganz stille Momente. Es war faszinierend, mit wieviel Feingespür die Pferde bei jedem Menschen genau das verwirklichen, was er als Absicht aussendet.
Aber das schönste Geschenk erhielt ich nach dem Workshop, bei einer eher „zufälligen“ Begegnung mit einem besonderen Pony:
"Ich habe einen Plan" - wie so oft
Am Abreisetag hatte ich noch zwei Stunden Zeit und wollte in der Sonne spazierengehen. Wie so oft dachte ich an Bewegen, die Gegend erkunden und „viel sehen“: den Blick über die Felder, die Aussicht vom Hochsitz und die Pferde auf der Weide am Dorfrand. Einfach ruhig irgendwo hinsetzen und den Moment genießen wäre mir nie in den Sinn gekommen. So ging ich zielstrebig über die Pferdeweide hinunter zum Weg. Die vier Pferde grasten friedlich und beachteten mich nicht weiter.
Als ich bei den Büschen am Ende der Weide angekommen war, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass dieser Platz hier auch sehr schön zum Verweilen wäre. Die Sonne schien auf das Gras und die Büsche boten eine kleine geschützte Ecke … ich war unschlüssig, ob ich bleiben oder weiterlaufen sollte. Schließlich hatte ich ja „einen Plan“ und wollte die Gegend erkunden! Da konnte ich doch nicht einfach an der erstbesten Stelle bleiben und die Zeit vertun!
Verstand gegen Gefühl ... Pferde haben feine "Antennen"
Während ich da stand und mit mir rang, ob ich bleiben oder gehen sollte, kam Duke, das schwarze Pony, von der anderen Seite der Weide auf direktem Weg zu mir. Kurz vor mir blieb er stehen. Mit seinem Maul stupste er mich mehrmals an, so als ob er sagen wollte „na los, setz dich doch endlich.“ Ich fand das lustig, wenn auch etwas verwirrend und dachte mir „na gut, einen kurzen Moment“. Ich hatte eine Decke dabei, breitete sie aus und setzte mich darauf. Duke schien das zu gefallen, denn er stellte sich ganz dicht neben mich. Sein Vorderbein berührte fast meine Schulter. Ich streichelte seinen Hals und lehnte mich vorsichtig an ihn, er stand ganz ruhig da.
So dicht neben einem Pferd zu sitzen ist nicht ungefährlich – ein kurzer Schreckmoment oder falscher Tritt kann zu ernsten Verletzungen durch die Pferdehufe führen. Doch irgendetwas sagte mir, dass das hier ok ist und ich Duke vertrauen kann. Seine Nüstern berührten mein Gesicht, er „untersuchte“ meine Haare und legte seinen Kopf kurz auf meine Schulter. Es war eine ganz leichte und sanfte Kontaktaufnahme, kein aufdringliches Kneifen oder Knabbern des sonst recht frechen Ponys. Duke genoss ganz offensichtlich den Kontakt, er döste neben mir mit halb geschlossenen Augen, sein Kopf ganz dicht an meinem.
Verbundenheit im Augenblick
So standen wir eine Weile nebeneinander – genau genommen FAST EINE GANZE STUNDE LANG! Es war wie eine Meditation. Ganz im Moment zu sein, nichts zu tun, sondern nur die Sonne im Gesicht zu spüren und einfach gemeinsam zu atmen. Was für ein magischer Augenblick! Kein Gedanke mehr an Spazierengehen und die „Gegend entdecken“, einfach nur RUHE im Hier und Jetzt.
Zwischendurch ging Duke einmal kurz weg, „hinter die Büsche“ und kam dann schnurstraks wieder zu mir. Ich war fasziniert über die Direktheit und Offenheit dieses Ponys und konnte es kaum glauben. Die anderen drei Pferde grasten auf der Weide und er hatte sich – ganz ohne mein aktives Zutun - entschieden, nicht zu fressen sondern einfach so bei mir zu sein! Womit habe ich dieses wunderbare Geschenk verdient?
Loslassen als Schlüssel
Im Nachhinein glaube ich, dass dieser „magische Moment“ mit Duke möglich war, als ich meinen „Plan“ losgelassen habe und endlich ganz im Augenblick und in meinem Körper angenommen bin. Da, wo die Pferde ganz selbstverständlich sind. Und auf uns warten.






Kommentare
Liebe Grüße
Saskia
Alle Kommentare dieses Beitrages als RSS-Feed.