Bin ich egoistisch? Warum ein bisschen Egoismus gut ist

Mein Freund hat mir vorgeworfen, dass ich egoistisch bin. Das hat ganz schön gesessen! Dabei ist es mir so wichtig, was andere denken! Und ich bemühe mich immer, die Wünsche der anderen zu berücksichtigen. Ich hatte nur gesagt, dass ich abends nicht mit zur Party gehen will, weil ich so müde und erschöpft war. „Wie kannst du nur so egoistisch sein!“ schrie mein Freund mich an. „Du hast doch versprochen, dass wir zusammen zur Party gehen!“.
Ich saß kleinlaut vor meinem Rechner. Was sollte ich jetzt tun? Ich hatte die ganze Woche so viel gearbeitet und brauchte einfach mal Ruhe. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, zwischen vielen anderen Leuten zu sein, Gespräche zu führen und mich dabei wohlzufühlen. Klar, mein Freund war sauer, weil er sich auf die gemeinsame Party gefreut hatte. Aber was war jetzt wichtiger? Mein Wunsch nach Ruhe oder unsere Verabredung zur Party?

Schuldgefühle oder Egoismus?

Vielleicht kennst du solche Situationen. Du beschäftigst dich mit dir selbst und versuchst herauszufinden, was du wirklich willst. Und dann kommt der Moment, in dem du es den Anderen sagen musst. Du musst für dich einstehen, auch wenn das deinem Gegenüber nicht gefällt. Du willst nicht mit zum Familienbesuch fahren, weil es dir dort nicht gut geht. Du willst deinen Urlaub unbedingt in den Bergen verbringen, weil du die Weite und die Ruhe brauchst. Oder dir ist es ganz wichtig, dass du heute Abend in deinen Sportverein gehst, auch wenn dein Partner spontan Theaterkarten besorgt hat. Vielleicht schleichen sich bei dir dann auch leise Schuldgefühle ein, dass du zu viel an dich und zu wenig an die anderen denkst. Du zweifelst an dem, was du willst, und hast sogar Angst, für egoistisch gehalten zu werden.

Egoismus ist ein „starkes Schwert“. Niemand möchte gern als egoistisch bezeichnet werden. Doch ein Stück Egoismus ist durchaus gesund und wichtig. Lass uns mal schauen, was Egoismus eigentlich ist, und warum er manchmal gut für dich sein kann.

Was Egoismus bedeutet

Egoismus bedeutet im reinen Wortsinn Eigeninteresse und Eigenbezogenheit. Das bedeutet, das eigene Ich und die eigenen Wünsche in den Mittelpunkt zu stellen. Im Duden heißt es: „Streben nach Erlangung von Vorteilen für die eigene Person, nach Erfüllung der die eigene Person betreffenden Wünsche ohne Rücksicht auf die Ansprüche anderer“. Gleichzeitig bezeichnet Egoismus auch „eine Anschauung, nach der alles, auch das altruistische Handeln, auf Selbstliebe beruht“. Egoismus hat also zwei Aspekte – den der Selbstliebe und den der Rücksicht auf Andere.

Oft wird Egoismus abgewertet und als negativ betrachtet, im Sinne von rücksichtslos sein und über die Wünsche der anderen hinweg gehen. Deshalb tut der Vorwurf des Egoismus auch so weh und wir wollen um jeden Preis vermeiden, als egoistisch bezeichnet zu werden. Doch wie hoch ist der Preis dafür?

Warum Egoismus gut für dich ist

Menschen, die dir vorwerfen egoistisch zu sein, wollen dich oft manipulieren und klein halten, damit ihre eigenen Wünsche erfüllt werden. Gerade Frauen lassen sich dadurch leicht verunsichern. Sie schauen dann viel mehr auf das, was anderen gut tut und vergessen ihre eigenen Wünsche. Damit dir das nicht passiert, ist ein gesundes Maß an Egoismus hilfreich. Hier sind einige Argumente, warum ein bisschen Egoismus gut für dich ist:

1. Du bist nicht mehr abhängig von Anderen

Mit einem gesunden Maß an Egoismus bist du nicht darauf angewiesen, dass Andere für dich sorgen. Stattdessen übernimmst du Verantwortung für dich selbst und schaffst dir Möglichkeiten, deine Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen. Du kannst für dich eintreten und leichter mit Kritik umgehen.

2. Du weißt, was du willst

Egoismus heißt, dass du deine eigenen Wünsche in den Mittelpunkt stellst. Dafür musst du sie zuerst kennen! Solange sich bei dir alles um die Anderen dreht, wirst du nicht herausfinden, was du selbst brauchst. Du musst also zuerst die Aufmerksamkeit auf dich selbst richten. Je klarer du weißt, was du willst, desto leichter fällt es dir, Andere davon zu überzeugen.

3. Wenn du für dich sorgst, ist auch für andere gesorgt

Das hört sich vielleicht erstmal komisch an. Aber solange du selbst nicht gut für dich sorgst und dadurch ein Gefühl von Mangel verspürst, kannst du auch nicht wirklich für andere da sein. Du kannst nur geben, wenn es dir gut geht und du das Gefühl von Fülle hast. Das heißt, wenn du ständig selbstlos bist und selbst im Mangel lebst, kannst du nicht ehrlich und in Fülle geben. Deshalb fängt der Dienst am Anderen bei dir selbst an. Egoismus beruht auf Selbstliebe. Nur wenn du dich selbst liebst, kannst du auch für die Anderen da sein. Und nur wenn du dich selbst und deine Wünsche ernst nimmst, kannst du Fülle für dich – und Andere – erschaffen. Es bedingt sich gegenseitig: Durch ein gesundes Maß an Egoismus entwickelst du Selbstliebe und kannst dadurch auch für andere da sein.

4. Du wirst ein interessantes und respektiertes Gegenüber

Wenn du nicht jedem hinterher läufst, sondern deine eigene Meinung vertrittst, wirst du von Anderen viel leichter ernst genommen. Sie achten deine Meinung und werden lernen, sich an dir zu orientieren. Du wirst es also immer leichter haben, auch für dich selbst einzutreten.

5. Du lässt nichts mehr mit dir machen, was du nicht willst

Mit einem gesunden Maß an Egoismus kannst du nicht mehr ausgenutzt werden. Du kannst dich wehren und erkennst viel leichter, wenn dir etwas nicht gut tut. Es wird dir leichter fallen, dich zu wehren und auch gegen Dinge, die dir nicht gut tun, anzugehen.

Du siehst also: es gibt einige Argumente, warum Egoismus gut für dich ist und warum es sich lohnt, einen gesunden Egoismus zu entwickeln. Das hat nicht automatisch etwas mit „rücksichtslos sein“ zu tun. Ein gesunder Egoismus hilft dir, für dich selbst und für andere da zu sein. Wie so oft geht es um die Balance – deine eigenen Ziele zu verfolgen und gleichzeitig die Beziehung zu den Anderen zu erhalten.

Gesunder oder ungesunder Egoismus?

Wie kannst du gesunden von ungesundem Egoismus unterscheiden? Woher weißt du, ob du zu viel an dich denkst? Hier hilft dir deine Wahrnehmung, d.h. das genaue Beobachten und In-dich-hinein-Spüren. Wenn du dich selbst spürst, wirst du herausfinden, was dir wirklich wichtig ist. Und wenn du auch interessiert bist, was andere um dich herum denken und welche Wünsche und Bedürfnisse sie haben, dann wird es dir leicht fallen, eine Balance zu finden. Dann wirst du unterscheiden können, in welchen Momenten deine Wünsche an erster Stelle stehen, und wo du Kompromisse mit Anderen eingehen kannst. Grundlage dafür ist die Idee, eine Verbindung zu finden – und zwar zu dir und zu den anderen. Dabei helfen dir deine Sinne und deine Wahrnehmung. Wenig hilfreich sind Gedanken, Erwartungen und andere Grübeleien im Kopf – die kannst du für den Moment also am besten ausschalten.

Sei wirklich ehrlich mit dir selbst und hinterfrage deine Beweggründe. Manchmal wollen wir etwas Unangenehmes vermeiden und schieben Bedürfnisse vor. Das kannst du prüfen, indem du dich selbst fragst: „Ist es mir gerade wirklich so wichtig oder drücke ich mich vor etwas?“. Wenn du als Antwort klar spürst, dass dein Wunsch gerade an erster Stelle steht, dann steh dafür ein und kommuniziere es – aus Selbstliebe zu dir. Dann ist Egoismus nichts „Schlimmes“, sondern hilft dir, klar zu dir zu stehen und trotzdem in Verbindung mit anderen zu sein.

Trau dich, deine eigenen Wünsche in den Vordergrund zu stellen

Es lohnt sich also, Egoismus nicht von vornherein abzuwerten, sondern durchaus ein Stück gesunden Egoismus für dich zu kultivieren.

Und wie ging es mit meinem Freund weiter? Er ging allein zur Party … Ich saß zu Hause, fühlte in mich hinein und fragte mich: „Bereue ich meine Entscheidung?“. Nein, ich fühlte mich genau so richtig wohl – einen Abend ganz ruhig für mich! Mein Gefühl hatte mich gut geleitet. Ich war froh, dass ich für mich eingestanden bin – auch wenn es mir nicht leicht gefallen ist. Und als mein Freund und ich am nächsten Tag nochmal in Ruhe über die Situation gesprochen haben, merkten wir beide, dass wir uns durch die Ehrlichkeit viel näher fühlten als noch am Tag zuvor.

Jetzt gehts an Tun!

Wenn du diesen Artikel liest, dann fällt es dir wahrscheinlich noch schwer, für dich und deine Wünsche einzustehen. Falls das auf dich zutrifft, dann wirst du sehr davon profitieren, dir ein Stück mehr Egoismus zu erlauben, um dich besser zu behaupten.

Wünschst du dir dabei Unterstützung? In meinem Training Innere Stärke übst du mit den Pferden und im Alltag, deine wahren Bedürfnisse zu erkennen, Grenzen zu setzen und für dich einzustehen. Damit du einen gesunden Egoismus entwickelst und dich wirklich wohl fühlst!

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